Building Service Engineering – ein europäisches Berufsbildungsprojekt

Kurze Zusammenfassung

Das Adolf-Kolping-Berufskolleg hat zusammen mit seinen Partnern aus Finnland, Spanien, Frankreich und Bulgarien in einem, von der Europäischen Union geförderten LdV-Innovationstransferprojekt zukünftige Qualifikationsanforderungen im Tätigkeitsfeld der Gebäudesystemtechnik beschrieben.

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Eine Kompetenzmatrix gibt einen Überblick über alle erforderlichen Fähigkeiten und Kompetenzen, um den Bedarf nach einer professionellen Organisation, dem Betrieb und dem Management komplexer Gebäude zu genügen. Gleichzeitig bildet die Matrix die Grundlage, um sich auf Lernergebniseinheiten in verschiedenen Ländern zu verständigen. Mithilfe der Matrix entwickelte Beurteilungsmethoden tragen dazu bei, (Auslands-)Praktika zu überprüfen und zu bewerten und bilden die Voraussetzung für ihre europaweite Anerkennung.

Hintergrund und Zielsetzungen des Projektes

In ganz Europa stehen Planer und Betreiber von Gebäudekomplexen unter dem Zwang, die Betriebskosten der Gebäude zu senken und die CO2-Emissionen zu reduzieren. Hierfür ist es hilfreich, einen systemischen Ansatz zu wählen, bei dem alle technischen und organisatorischen Aspekte der Planung, Erstellung und des Betriebes von Gebäuden berücksichtigt werden. Für die praktische Umsetzung bedarf es Fachkräfte, die diese komplexe Herausforderung bewältigen können.

Die Ausbildung Gebäudesystemtechnik setzt hier an und kombiniert und erweitert Qualifikationen unterschiedlicher bestehender Ausbildungsberufe der beruflichen Erstausbildung miteinander. Sie stellt ein Beschäftigungsfeld dar, für das bisher kaum Aus- und Weiterbildungsangebote existieren.

Gemäß der Agenda für neue Kompetenzen und Beschäftigungsmöglichkeiten der Europäischen Union ((KOM2010)68) gilt es, die Bürgerinnen und Bürger Europas für die zukünftigen Anforderungen der Arbeitswelt richtig zu qualifizieren. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Früherkennung von Qualifikationsbedarfen, damit sogenannte „Mismatches“ vermieden werden können. Gleichzeitig sind kompetente Arbeitskräfte eine Schlüsselvoraussetzung für eine wettbewerbsfähige, nachhaltige und innovative Wirtschaft gemäß den Europa 2020-Zielen der Europäischen Union.

Im Rahmen dieser Agenda wurde das Projekt International Transfer : Building Service Engineering (http://itbse.akbk-horrem. de) von der deutschen Nationalen Agentur Bildung für Europa beim BIBB systematisch begleitet. Ziel war es, die Wirkung des Projektes in Deutschland zu erhöhen, indem es mit ausgewählten Akteuren vernetzt und an geeigneter Stelle in die fachlichen und politischen Diskussionen eingebracht wird.

Das Innovationstransferprojekt IT:BSE unterstützt die Ziele der New Skills-Agenda, indem die Qualifikationsanforderungen für Beschäftigte im Tätigkeitsbereich Gebäudesystemtechnik mithilfe einer empirischen Untersuchung identifiziert und die daraus resultierenden Anforderungen in einer Matrix kompetenzorientiert beschrieben wurden. Hieraus lassen sich die Anforderungen an die Aus- und Weiterbildung in diesem Tätigkeitsbereich ableiten.

Der Begriff Gebäudesystemtechnik umfasst im Verständnis des hier beschriebenen Innovationstransferprojektes Querschnittskompetenzen aus allen bei der Planung, Erstellung und dem Betrieb eines Gebäudesystems beteiligten Gewerken (Jenewein/Petersen 2002:8). Die Anforderungen an Beschäftigte im Tätigkeitsfeld Gebäudesystemtechnik sind in ganz Europa ähnlich. Aus- und Weiterbildungen, die den systemischen Ansatz eines Gebäudes als komplexes technisches System in seiner Gesamtheit betrachten, existieren dagegen in Europa nicht oder nur in Ansätzen. Aus diesem Grund folgt das Projekt einer gesamteuropäischen Problematik.

Ein Beispiel für eine bereits existierende Weiterbildung ist die zum staatlich geprüften Techniker/Fachrichtung Gebäudesystemtechnik in Deutschland auf dem EQF-Level 6 . Die für das Tätigkeitsfeld Gebäudesystemtechnik erforderlichen Kompetenzen wurden mit empirischen Daten und auf dem Erfahrungshintergrund der Projektpartner aus Bulgarien, Finnland, Frankreich und Spanien entwickelt und in Form einer Kompetenzmatrix beschrieben. Mit ihrer Hilfe konnten Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für dieses komplexe Feld in allen Projektländern entwickelt und angeboten werden.

Eine Überprüfung der Brauchbarkeit der Kompetenzmatrix erfolgte im Rahmen von Lernaufenthalten von Auszubildenden im Ausland. Hierbei wurde der bei einem Auslandspraktikum erworbene Kompetenzzuwachs im Hinblick auf eine zukünftige Tätigkeit im Bereich der Gebäudesystemtechnik überprüft und zertifiziert.

Die Gebäudesystemtechnik

Der in diesem Projekt verwendete Begriff Gebäudesystemtechnik beschreibt die Gesamtheit der modernen Technologien eines Gebäudes und deren gegenseitige Abhängigkeit. Der Begriff umfasst damit sowohl die Gebäudehülle als auch die Technische Gebäudeausrüstung sowie alle hiermit verbundenen technischen und organisatorischen Prozesse. Kernpunkt dieser Sichtweise ist eine ganzheitliche Gebäudebewirtschaftung.

Für eine Beschäftigung in diesem Tätigkeitsfeld bedeutet dies, dass Querschnittskompetenzen aus bau-, elektro- und versorgungstechnischen Berufen – erweitert um Kompetenzen aus den Bereichen Informationstechnik, Kostenverfolgung und Controlling, Marketing und Personalmanagement – vorhanden sein sollten. Der Schwerpunkt der beruflichen Tätigkeit liegt im Bereich des technischen Gebäudemanagements während der Betriebsphase eines Gebäudes.

Die empirische Untersuchung des Tätigkeitsfeldes Gebäudesystemtechnik

Um eine den Anforderungen der beruflichen Praxis gerecht werdende Kompetenzbeschreibung zu entwickeln, wurde in einem ersten Schritt zu Beginn des Projektes eine empirische Untersuchung durchgeführt. Ziel dieser Untersuchung war es, die aus Sicht von Planern, Ausrüstern, Dienstleistern und Betreibern von Gebäudekomplexen notwendigen Qualifikationen für eine Tätigkeit im Bereich Gebäudesystemtechnik-/Facilitymanagement zu ermitteln.

Beim Entwurf der Fragestellungen für die empirische Untersuchung wurde auf das Fachwissen der Consultingfirma KN-Marketing (http://www.kn-facility-management.de/) zurückgegriffen. Die Consultingfirma KN-Marketing bietet bundesweit ein breites Spektrum an Weiterbildungen aus dem Bereich des Facilitymanagements an. Die so entwickelten Fragestellungen wurden dann eng mit allen am Projekt beteiligten Partnern abgestimmt.

Der Fragebogen wurde von allen Projektpartnern an Planer, Ausrüster, Dienstleister und Betreiber von Gebäudekomplexen versandt. Inhaltlich umfassten die Fragen folgende übergeordneten Themenbereiche:

  •  Planung von gebäudetechnischen Anlagen
  •  Bauausführung von gebäudetechnischen Anlagen
  •  Gebäudebetrieb/Nutzung von gebäudetechnischen Anlagen
  •  Vertrieb/Marketing von gebäudetechnischen Anlagen


Insgesamt haben 135 Dienstleister und Betreiber und Ausrüster von Gebäudekomplexen eine Rückmeldung gegeben. Die Themengebiete Wartung, Kostenreduktion, Energieeinsparung, gesetzliche Anforderungen bzw. Betreiberverantwortung und Dokumentation wurden mit nur geringen Unterschieden in allen Partnerländern als sehr wichtig oder wichtig befunden. Aber auch der Themenbereich Vertrieb / Marketing wurde mit über 60% als sehr wichtig oder wichtig angesehen. Alle Ergebnisse stehen im Detail auf der Projekthomepage zur Verfügung.

Die Kompetenzmatrix Gebäudesystemtechnik

Nach Auswertung der Fragebögen sind in einem zweiten Schritt die für eine erfolgreiche berufliche Tätigkeit notwendigen Kompetenzen formuliert worden. Dies erfolgte in Form einer Kompetenzmatrix, der IT:BSE-Matrix. Die Kompetenzmatrix basiert auf den in vorhergehenden Innovationstransferprojekten entwickelten VQTS-Matrizen (Luomi-Messerer/ Markowitsch (2006) und Luomi-Messerer (2009)).

Die in diesen Innovationstransferprojekten entwickelte VQTS-Matrix beschreibt die beruflichen Handlungskompetenzen eines beruflichen Tätigkeitsfeldes in Form einer Kompetenzmatrix. Auf der vertikalen Achse werden die Kernarbeitsprozesse eines Tätigkeitsfeldes identifiziert und die hierfür benötigten Kompetenzen beschrieben. Auf der horizontalen Achse der Matrix wird zu jedem Kernarbeitsprozess in drei bis sechs Schritten die Kompetenzentwicklung innerhalb des jeweiligen Kernarbeitsprozesses definiert. Die IT:BSE-Matrix weist eine Progression der Kompetenzentwicklung sowohl auf der vertikalen Achse der Matrix (Progression in den Kernarbeitsprozessen) als auch auf der horizontalen Achse (Progression bei den Schritten der Kompetenzentwicklung) auf. Das durch einen Kernarbeitsprozess und durch die dazugehörige Stufe der Kompetenzentwicklung definierte Feld in der Matrix wird in Anlehnung an ECVET als Unit bezeichnet. In einer Unit werden die für einen Kernarbeitsprozess erforderlichen Kompetenzen beschrieben.

Die Units der Matrix umfassen den Bereich des EQF-Levels 3 (berufliche Grundlagen) bis zum EQF-Level 6 (Bachelor, Meister, Techniker).Im Innovationstransferprojekt IT:BSE wurde die existierende Struktur der VQTS-Matrix übernommen und auf das Tätigkeitsfeld Gebäudesystemtechnik angewendet und erweitert. Die Beschreibung der Kernarbeitsprozesse und der zu jedem Kernarbeitsprozess gehörenden Schritte der Kompetenzentwicklung erfolgte auf der Grundlage der Ergebnisse der empirischen Untersuchungen aus den Partnerländern sowie des Lehrplans für die Fachschule für Technik, Fachrichtung Gebäudesystemtechnik des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen.

Folgende neun Kernarbeitsprozesse sind identifiziert worden:

  • Montage und Demontage von Gebäudesystemen oder deren Komponenten
  • Instandhalten (nach EN 13306) von Gebäudesystemen oder deren Komponenten
  • Inbetriebnahme von Gebäudesystemen oder deren Komponenten
  • Gebäudesysteme mit Hilfe von automatisierten Anlagen überwachen und optimieren
  • Konzeption von Gebäudesystemen/-prozessen oder deren Komponenten / Teilprozessen
  • Identifikation, Umsetzung und Überprüfung der rechtlichen Anforderungen an den Betrieb eines
  • Gebäudesystems (Betreiberverantwortung)
  • Kostenverfolgung und Controlling
  • Marketing
  • Personalmanagement

Von den neun Kernarbeitsprozessen beschreiben die ersten fünf technisch orientierte Kernarbeitsprozesse und die letzten vier weitere für das (technische) Gebäudemanagement wesentliche Kernarbeitsprozesse.
Der Bereich des Projektmanagements wurde nicht als eigener Kernarbeitsprozess dargestellt
sondern in der Kompetenzbeschreibung von ausgewählten Units berücksichtigt.

Da das Tätigkeitsfeld Gebäudesystemtechnik Querschnittskompetenzen aus unterschiedlichen
beruflichen Handlungsfeldern umfasst, stellt eine detaillierte Beschreibung sowohl der Kernarbeitsprozesse als auch der Schritte der Kompetenzentwicklung mit Hilfe der IT:BSE-Matrix eine besondere Herausforderung dar. Bei den Kompetenzbeschreibungen für die neun Kernarbeitsprozesse des Tätigkeitsfeldes Gebäudesystemtechnik müssen also Anforderungen aus bau-, elektro- informationstechnischen und versorgungstechnischen Berufen berücksichtigt werden. Deshalb sind aus Gründen der Übersichtlichkeit die Kompetenzen in der IT:BSE-Matrix relativ allgemein und fachdiziplinübergreifend formuliert. Bei den Kompetenzbeschreibungen wird in den einzelnen Units der Begriff Gebäudesystem verwendet.

Für einen versorgungstechnischen Beruf ist z.B. die Komponente eines Gebäudesystems die Heizungsanlage oder die Lüftungsanlage, für einen Beruf aus dem Berufsfeld der Elektrotechnik kann es die elektrische Energieversorgung eines Gebäudes sein. Die in der Unit 2.1 relativ allgemein und fachdiziplinübergreifend formulierten Kompetenzen gelten sowohl für den Bereich der Versorgungstechnik als auch der Elektrotechnik. Werden aber die Kompetenzbeschreibungen in der IT:BSE-Matrix verwendet, um die bei einem Auslandaufenthalt erworbene Kompetenzerweiterung eines Auszubildenden zu beschreiben, muss der Begriff Gebäudesystem bzw. Komponente eines Gebäudesystems genauer beschrieben werden. Hierzu ist die Matrix um eine dritte Dimension erweitert worden. Zum Verständnis der hinter der Matrix liegenden dritten Dimension, wurde die IT:BSE-Matrix um Hinweise zur Verwendung erweitert. In diesen Hinweisen wird genau beschrieben, was z.B. für eine Aus- oder Weiterbildung im Bereich Heizungstechnik oder im Bereich der elektrischen Energieversorgung unter dem Begriff Komponenten des Gebäudesystems zu verstehen ist.

Überprüfungsmethoden zur Kompentenzfeststellung (Assessments)

Um New Skills for New Jobs zu erzielen, sind innovative Ansätze in der Aus- und Weiterbildung erforderlich. Dabei soll gleichzeitig der europäische Arbeitsmarkt als ein Ganzes aufgefasst werden und die Jugendlichen auf die wachsenden Anforderungen gut vorbereitet werden. Um dies zu erreichen, müssen Vereinbarungen und Regelungen geschaffen werden, die gewährleisten, dass berufliche Kompetenzen, die im Ausland oder auch in vorhergehenden Tätigkeiten erworben wurden, bei Bedarf anerkannt werden können. Das ECVET-Instrumentarium bietet hierfür die Grundlage. Es dient sowohl der der Qualitätssicherung als auch der Anerkennung von Lernergebnissen, die Personen in verschiedenen Ausbildungsphasen und gegebenenfalls an verschiedenen Orten erworben haben.

Der Kompetenzzuwachs, den ein Auszubildender während eines Lernaufenthaltes im Ausland erfährt, muss sichtbar und überprüfbar sein. Arbeitgeber, Ausbilder und die Lernenden selbst möchten erworbene Qualifikationen besser beurteilen können. Außerdem sollten Lerneinheiten, die in einem anderen Lernkontext erworben wurden, validierbar und anrechenbar sein. Um dies – bezogen auf ein Betriebspraktikum – zu erreichen, ist es notwendig, Bewertungsmethoden zu entwickeln, die auf der einen Seite geeignet sind, die beruflichen Kompetenzen detailliert festzustellen, aber auf der anderen Seite jedoch nicht zu arbeitsaufwändig sind. Denn ein zu großer Arbeitsaufwand bei der Nutzung des ECVET-Instrumentariums hemmt dessen breite Umsetzung.

Bei der Entwicklung des auf diese Zielgruppe bezogenen Bewertungsbogens (Assessment) als Evaluationsinstrument wurde wie folgt vorgegangen:

  • Identifizierung relevanter Arbeitsbereiche (Units) im Handlungsfeld der GST unter Einbeziehung der in den Hinweisen zur Verwendung der Matrix verwendeten Definitionen (TGA).
  • Bestimmung einer Auswahl gängiger Geräte, Bauteile und Arbeitsverfahren des betrachteten Arbeitsbereichs.
  • Formulierung Arbeitsplatz bezogener Kompetenzen unter Einbeziehung der Geräte, Bauteile und Arbeitsverfahren.


Geht man der Frage nach, welche Arbeitsbereiche von Auszubildenden der Anlagenmechaniker/in SHK in der IT:BSEMatrix abgebildet werden, wird schnell deutlich, dass dies fast alle in der Matrix aufgeführten Kernarbeitsbereiche sind. Ausnahmen bilden nur die Kernarbeitsbereiche 7 (Kostenverfolgung und Controlling) und 9 Personalmanagement). Dies gilt sowohl für den Sanitär- und Heizungs- als auch für den Lüftungs- und Klimabereich.

Im Bereich der Heizungstechnik werden die Auszubildenden in ihrer betrieblichen Praxis mit einer Vielzahl von Geräten, Bauteilen und Arbeitsverfahren konfrontiert, deren fachgerechte Montage/Installation und Anwendung es zu erlernen gilt. Um nun die Kompetenzerweiterungen während eines Auslandaufenthaltes möglichst genau beschreiben zu können, wurden branchentypische Geräte, Bauteile und Arbeitsverfahren aufgelistet, wie z.B. Brennwertgerät, Solarthermieanlage, Sicherheitsventil, Ausdehnungsgefäß, Fußbodenheizung, Radiator, Pressen, Hartlöten, etc. Diese Geräte, Bauteile und Arbeitsverfahren lassen sich in einem weitergehenden Schritt zu Tätigkeitsbereichen zusammenfassen.

Im Wesentlichen handelt es sich hierbei um die Bereiche Wärmeerzeugung, Wärmeverteilung, Wärmeübergabe sowie Brennstoffversorgung. Die Verknüpfung dieser Kompetenzen mit den zugeordneten branchentypischen Geräten, Bauteilen und Arbeitsverfahren macht es den aufnehmenden Institutionen möglich, eine konkrete sachliche Rückmeldung zum Lernaufenthalt zu geben. Die qualitätsbezogene Komponente fließt ein, indem jedem Gerät, Bauteil oder Arbeitsverfahren einer Kompetenz die entsprechende Qualität (gut/befriedigend/zu verbessern) zugewiesen werden kann.

Nach der hier beschriebenen Vorgehensweise wurden weitere arbeitsplatzbezogene Bewertungsbögen für die Berufsfelder Versorgungstechnik, Elektrotechnik und Informationstechnik entwickelt und in Mobilitäten angewendet. Da die Gebäudesystemtechnik Querschnittskompetenzen aus allen bei der Planung, Erstellung und dem Betrieb eines Gebäudesystems beteiligten Gewerken verbindet, wurden für den Bereich der Elektrotechnik fünf Bewertungsbögen (Lernergebniseinheiten 1.1; 2.1; 2.2; 3.1 und 3.2), fünf für den Bereich der Informationstechnik (LEE 1.1; 2.1; 2.2 , 3.1 und 3.2) und fünf für den Bereich der Versorgungstechnik (1.1 und 2.2 jeweils für die Bereiche Sanitär, Klima- und Lüftungstechnik), entwickelt (http://www: itbse.akbk-horrem.de).

Europäischer Mehrwert

Die Kompetenzmatrix für den Bereich Gebäudesystemtechnik bietet für dieses neue Berufsfeld die Grundlage für Mobilität und Flexibilität sowohl in horizontaler als auch in vertikaler Richtung. Horizontale Mobilität bedeutet hier, dass mithilfe der Matrix:

  • Kompetenzbereiche identifiziert werden können, die gut geeignet für Auslandspraktika sind,
  • Kompetenzprofile erstellt werden können, die bei der Suche nach geeigneten Fachkräften genutzt werden können, z.B. um für einen bestimmten Gebäudekomplex einen Gebäudesystemtechniker mit spezifischen Kenntnissen zu finden,
  • individuelle Kompetenzprofile erstellt werden können, die bei der Suche nach einem Arbeitsplatz genutzt werden können – auch bei Bewerbungen in einem anderen Land,
  • Kompetenzbereiche identifiziert werden können, die bestimmten in anderen Berufen ausgebildeten Fachkräften fehlen, um im Bereich der Gebäudesystemtechnik tätig werden zu können. Die fehlenden Kompetenzen können gegebenenfalls durch gezielte Fortbildungen im In- oder Ausland erworben werden.

Vertikale Mobilität bedeutet, dass es mithilfe der Matrix möglich ist

  • gezielte Weiterbildungsangebote für bestimmte (unterschiedliche) Zielgruppen zu entwickeln, um diese für das neue Berufsfeld Gebäudesystemtechniker zu qualifizieren,
  • Kompetenzprofile zu vergleichen und vorhandene Kompetenzen bei einer Weiterbildung anzuerkennen. Da im konkreten Fall zusätzlich Assessmentinstrumente für etliche Bereiche entwickelt wurden, wird die Anerkennung bereits vorhandener Kompetenzen zusätzlich erleichtert.

Die im Projekt entwickelte Matrix bildet Kompetenzen ab, die im europäischen bzw. deutschen Qualifikationsrahmen (EQR/DQR) auf den Niveaustufen vier bis sechs anzusiedeln sind. Dies bedeutet konkret, dass ein Instrument zur Verbesserung der Mobilität und der Anerkennung von Leistungen zwischen einem normalen Berufsabschluss und einem dem Bachelor vergleichbaren Abschluss zur Verfügung steht.

Auch für Studienabbrecher aus Bachelorstudiengängen kann dies von Interesse sein. Da die Matrix in wichtigen europäischen Sprachen vorliegt, kann sie als Grundlage der Mobilität in bzw. zwischen vielen Ländern und unterschiedlichen Qualifikationsstufen genutzt werden. Insgesamt trägt die Matrix zur Vergleichbarkeit von Ausbildungen, zur Transparenz zwischen den unterschiedlichen Berufsbildungssystemen und zur verbesserten Anerkennung von Lernleistungen/Kompetenzen bei. Für diejenigen Länder, in denen
es bisher keine vergleichbare Aus- oder Weiterbildung zum Gebäudesystemtechniker gibt, bildet die Matrix eine gute Grundlage, länderspezifisch Bildungsangebote für dieses neue Tätigkeitsfeld zu entwickeln.

In Kombination mit den Assessmentinstrumenten bieten sich Möglichkeiten

  • aufbauend auf unterschiedliche berufliche Erstausbildungen sehr gezielte Weiterbildungskurse für die Gebäudesystemtechnik und ein flexibles Weiterbildungssystem zu entwickeln,
  • Erst- oder Weiterbildungsangebote für die Gebäudesystemtechnik von Anfang an im Verbund mit ausländischen Partnern zu entwickeln und durchzuführen,
  • während der Aus- oder Weiterbildung mit Partnerschulen im Ausland zu kooperieren und alle Leistungen gegenseitig anzuerkennen.

Obwohl gute Voraussetzungen geschaffen wurden, ein neues Berufsbild von Anfang an europäisch zu definieren und zu gestalten und somit eine Aus- oder Weiterbildung im europäischen Verbund zu bieten, gibt es bei der praktischen Durchführung nach wie vor viele Schwierigkeiten. Die unterschiedlichen Berufsbildungssysteme mit unterschiedlichen Qualifizierungsangeboten und unterschiedlichen Schuljahresverläufen machen beispielsweise die Organisation von Mobilitäten bei den Auszubildenden jedes Mal zu einer neuen, arbeitsaufwändigen Aufgabe.

Die Projektergebnisse sind vielseitig und richten sich sowohl an berufliche Schulen, als auch an Unternehmen und Beschäftigte im Bereich der Gebäudesystemtechnik sowie Lehrplankommissionen und politische Entscheider auf Landesebene, die über Implementierungsentscheidungen treffen können.